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Dr. Eckart von Hirschhausen fordert:

Die Gesellschaft soll Verantwortung übernehmen

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Dr. Eckart von Hirschhausen

Vom Blog hirschhausen.com

Dicke Menschen sind Opfer ihrer Umwelt

Der Mediziner, Moderator, Comedian und Bestseller-Autor Dr. Eckart von Hirschhausen betont, Menschen mit Übergewicht sind nicht selbst schuld. Sie sind „Opfer ihrer Umwelt“.  Das Problem liegt nicht bei dem Einzelnen, sondern bei der Gesellschaft, die erst eine bewegungslose Lebensweise und eine ständige Verfügbarkeit von zuckrigen Produkten ermöglicht. Denn uns als Einzelnen fällt es nun einmal nicht leicht, ständig nein zu sagen.

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Deren Zukunftsperspektive: In der Schule gibt es keinen Cola-Automaten mehr, in der Nähe auch kein Kiosk. Wenn die Schüler es trotzdem schaffen, eine Cola in die Hand zu bekommen, ist das dann auch mal okay. Und im Supermarkt stehen bunte Süßigkeiten nicht mehr auf Augenhöhe der Kinder und in ihnen sind keine lustigen Überraschungen versteckt. Werbespots für Süßigkeiten zeigen keine süßen Maskottchen mehr und wirklich jeder kann endlich die Zutatenlisten auf Nahrungsmittel-Verpackungen verstehen.

Wunder wirken Wunder. Das Teufelszeug Zucker. Hier erfahrt ihr mehr, im Podcast von Dr. Eckart von Hirschhausen. Jetzt reinklicken.

Ein offener Brief gegen Fehlernährung

In einem offenen Brief adressiert an die Bundesregierung spricht sich das Bündnis dafür aus, der alltäglichen, süßen Verführung ein Ende zu setzen. Aufklärung allein reiche nicht, deswegen haben sie klare Forderungen, bei denen alle gesellschaftlichen Bereiche, wie Politik, Wirtschaft und Krankenkassen an einem Strang ziehen sollen. Die Zauberworte lauten Prävention und Gesundheitskompetenz, welche schon im Kindesalter gefördert werden müssen. Denn neben dem psychischen und physischen Leid der Betroffenen kostet es unseren Staat 63 Milliarden Euro jährlich auf gesamtgesellschaftlicher Ebene.

Daher sprechen sich die Gegner ganz klar gegen „Fehlernährung“ aus und fordern im offenen Brief drei wichtige Punkte:

  • die Zuckersteuer
  • Beschränkung der an Kinder gerichteten Werbung
  • die Lebensmittelampel
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Warum das so wichtig ist? Ein simples Experiment von Dr. Eckart von Hirschhausen zeigt die erschreckende Wahrheit: Kinder wurden mit 100 Euro in den Supermarkt geschickt und hatten die Aufgabe, Lebensmittel zu kaufen, die speziell für die junge Zielgruppe verkauft werden.

Was im Einkaufswagen landete, war nicht besonders überraschend: bunte, „kindgerechte“ Süßigkeiten mit witzigen Comicfiguren und kleinen Spielzeugbeigaben – keine Lebensmittel, sondern Süßigkeiten. 

Zucker sollte nur einen kleinen Anteil unserer Energiezufuhr ausmachen, doch von 1.500 Kinderprodukten sind fast drei Viertel viel zu süß und fettig. 

Warum? Weil sich mit diesen Produkten Geld verdienen lässt. Der volle Einkaufswagen war rund 100 Euro Wert, doch der enthaltene Zucker in den Produkten nur rund einen Euro. Die Kalorien hätten gereicht, um ein Kind drei Wochen zu ernähren.

Süßes soll teurer werden – die Zuckersteuer

Länder, wie Finnland, Mexiko und Großbritannien machen es schon erfolgreich vor: sie erheben Steuern auf gesüßte Getränke. Dies gilt als Anreiz für die Hersteller, den Zuckergehalt der Getränke zu reduzieren. Und das zeigt tatsächlich Wirkung: Der Konsum von Limonade und Co geht zurück. Gerade in Deutschland wäre dies ein voller Erfolg, denn wir trinken jährlich 84 Liter zuckersüße Getränke pro Kopf. Die Folge: Übergewicht, Adipositas und Diabetes Typ-2.

Ein großartiger Nebeneffekt: Mit den Einnahmen einer Zuckersteuer könnten langfristig sogar die Preise für Obst und Gemüse sinken.

Mit bestem Beispiel geht auch Schweden voran. Da gibt es eine „Süßigkeiten-Bann-Meile“ – in der Nähe von Schulen dürfen sich keine Getränkeautomaten oder Imbiss-Buden befinden. 

Doch nicht nur die Gesellschaft muss Initiative zeigen, auch wir als Einzelne können etwas tun, besonders Eltern.

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Biene Maja streikt – Beschränkungen der an Kinder gerichteten Werbung

Bunte Schokolinsen und ein viel zu hoher Zuckergehalt im Joghurt, und wer fein aufgegessen hat, bekommt sogar eine Überraschung.

Biene Maja, die Kinder im Supermarkt dazu verleitet, sich für Fruchtgummis zu entscheiden. Und ein Bonbon, das im Mund ploppt, müssen Kinder natürlich auch ausprobieren.

Aus Sicht der Lebensmittelindustrie logisch, denn mit Süßigkeiten und Softdrinks lässt sich nun einmal deutlich mehr Geld verdienen, als mit Obst und Gemüse – dick im Geschäft, kann man sagen. Billige Grundzutaten und eine niedliche Marketingstrategie – der Grundstein für Fehlernährung ist gelegt. 

Dies steht jedoch im krassen Widerspruch zu sozialer Verantwortung. Die Forderung der Zuckergegner: eine gesetzliche Beschränkung der an Kinder gerichteten Werbung.

Was können Eltern tun? 

Klar darf Ihr Kind mal naschen, doch es sollte die Relation von gerechten Portionen nicht verlernen. Geben Sie ihm also nur soviel, wie in die Hand passt. Kleine Kinder, kleinere Hände, kleinere Portion. Koppeln Sie aber nie positives Verhalten an Süßigkeiten – Bonbons sind keine Belohnung. 

Farbe bekennen – die Lebensmittelampel

Die Inhaltstoffe auf Lebensmittel-Verpackungen sind versteckt, kleingedruckt und undurchsichtig. Man wird konfrontiert mit verwirrenden Prozentangaben, Portionsgrößen, von denen keiner satt wird, und Zuckerbomben, getarnt als nährstoffreiche Zwischenmahlzeit. Verbraucher erkennen auf den ersten Blick nicht, wo versteckter Zucker lauert, wie eine kleine Anekdote von Dr. Eckart von Hirschhausen zeigt:

„Neulich beim Frühstück habe ich mir ausgerechnet, dass mein Tagesbedarf an Vitamin B6 nach 1,3 Kilogramm Nutella gesättigt ist. Braucht man nichts weiter essen den Tag.“ 

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Nähwertangaben müssen außerdem transparenter sein – und das auf den ersten Blick. Verbraucher sollen nicht mehr getäuscht werden.

Dr. Eckart von Hirschhausen bringt es auf den Punkt: „mehr Hirn vor dem Kühlregal“.  Auch wenn Ampeln schneller zu erfassen sind, beschäftigen Sie sich mit dem Thema Ernährung und den versteckten Gesichtern von Zucker, denn Zucker hat viele Namen. 

3 Gründe, weniger Zucker zu essen

Die Forderungen sind eindeutig. Doch wozu das Ganze? Hier hat Ihnen Dr. Eckart von Hirschhausen drei plausible Gründe zusammengestellt, weniger Zucker zu essen.

„So wie man Energie aus Wasser, Wind und Sonne erzeugt, regelt der Körper von alleine den Zucker im Blut, indem er Fett, Eiweiß und Kohlenhydrate umbaut.“

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Der Körper macht sich seinen Zucker selbst: Zucker ist ein wichtiger Energieträger, daher kann ihn unser Körper aus den Bausteinen unserer Nahrung selbst bilden.

„Wenn wir ein Glas Cola verschütten, wischen wir eine ganze Weile, bis der Boden nicht mehr klebt. Auch im Körperinneren verklebt der Zucker quasi Zellen, Blutgefäße und Hirn.“

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Zucker ist Gift für unseren Körper und macht zudem auch noch dick.

„Wenn ich mich schlapp fühle, habe ich früher gerne einen Riegel oder eine ganze Tafel Schokolade gegessen. Die sollen ja Energie bringen. Inzwischen weiß ich es besser: Zwar bekomme ich einen Zucker-Flash. Aber mein Körper reagiert, schüttet aus der Bauchspeicheldrüse Insulin aus und der Zucker verschwindet aus dem Blut in die Zellen. Nach dem Hochgefühl kommt das nächste Tief, ich werde wieder hungrig und müde. Seit ich deutlich weniger Süßes esse, fühle ich mich viel wacher und fitter.“

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Wer will sich schon den ganzen Tag müde und schlapp fühlen?

Freude am Essen statt Verzicht

Neben Bildung, staatlicher Lenkung und Prävention sollte die Freude am Essen jedoch nicht in den Hintergrund geraten. Verzichten Sie nicht gänzlich, sondern essen Sie gemeinsam, kochen Sie frisch, genießen Sie und lassen Sie sich geschmackliche Gaumenfreuden mal wieder richtig auf der Zunge zergehen. Essen soll nämlich Spaß machen.