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Dr. Eckart von Hirschhausen

Es fängt schon in der Kindheit an

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Dr. Eckart von Hirschhausen

Vom Blog hirschhausen.com

Der 3-jährige Bruno sitzt vor einem Teller mit einem Gummibärchen. Eine Frau erklärt ihm, wenn er es nicht isst, bis sie wiederkommt, erhält er danach ein Zweites. Als sie den Raum verlässt, ist für Bruno eines klar: bloß nicht naschen!

Er schaut sich um. Niemand in Sichtweite. Langsam läuft ihm das Wasser im Mund zusammen. Lieber doch nicht! Aber an dem Gummibärchen riechen ist ja nicht verboten. Mmmh ... es duftet so lecker. Und einmal dran lecken? Bekommt ja niemand mit.

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Als die Frau nach 5 Minuten den Raum betritt, fehlt dem Gummibärchen der Kopf.

In diesem kleinen Nasch-Experiment wurde die Fähigkeit von Kindern zur Selbstregulation getestet. Denn laut Statistik sind Kinder, die sich beherrschen können, in ihrer Zukunft erfolgreicher, gesünder und disziplinierter. Was stereotypischen Dicken dagegen droht, wissen wir: soziale Isolierung, Unbeweglichkeit, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Rückenprobleme und Diabetes. Das ist kein Geheimnis, trotzdem nimmt Zucker als Suchtstoff einen riesigen Stellenwert in unserer Gesellschaft ein. Von ihm geht ein solcher Reiz aus, dass die Versuchung zu widerstehen oft ein Kampf mit sich selbst ist - nicht nur bei Kindern.

„Wir haben inzwischen auf der Erde mehr übergewichtige als untergewichtige Menschen. Während ein Teil der Welt nach wie vor hungert und stirbt, leidet und stirbt ein anderer Teil am Zuviel - wie absurd ist das denn.“

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„Dabei ist nicht jeder, der dick ist, auch selbst schuld“, sagt Dr. Hirschhausen. Abgestempelt als willensschwach oder faul, wird die Verantwortung oft auf den Einzelnen übertragen. Doch der Suchtstoff steckt in nahezu jedem Produkt aus dem Supermarkt und die „Kalorienabhängigkeit“ hat verblüffende Ähnlichkeit zu anderen Süchten, wie Alkohol und Nikotin.

Besonders Kinder sind der zuckersüßen Verlockung ausgeliefert. Früher gab es Stullen und eine Flasche Wasser mit in die Schule. Heute dürfen sich die Kids selbst etwas am Automaten ziehen. Und jede knallig bunte Nascherei befindet sich im Supermarkt auf Augenhöhe. Essen ist für Kinder zu einem Sorgenfresserchen geworden, eine Lösung gegen Frust und Langeweile.

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Fast die Hälfte der Kinder, die zu viel auf die Waage bringen, leiden auch als Erwachsene noch an den Fettpölsterchen. Das Risiko für Schlaganfälle, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt durch Übergewicht rapide. Die Zahl der an Diabetes erkrankten Personen wird in Deutschland auf 6,7 Millionen geschätzt - eine besorgniserregende Entwicklung.

„Wer jemals im Sommer abgestandene Cola im Mund hatte, weiß: So toll ist das Zeug nicht. Der einzige Grund, weshalb Cola getrunken wird, ist doch, dass wir das Zeug als Kinder nicht trinken durften. Liebe Eltern, wenn Sie wollen, dass Ihr Kind sich später gesund ernährt, verbieten Sie weder Schokolade noch Cola, sondern ab sofort konsequent Brokkoli. Das Prinzip ist uralt. Wie hat Gott versucht, Adam und Eva zu gesunder Ernährung zu verführen? Er hat den Apfel verboten. Es funktionierte. Sonst wären wir noch im Paradies.“ (Dr. Eckart von Hirschhausen)

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Drei Gründe, weniger Zucker zu essen, erklärt euch Dr. Eckart von Hirschhausen in seinem Podcast. Jetzt reinhören!

Schon einmal was von Neophobie gehört? Das ist die Angst vor Neuem und betrifft auch die kindliche Ernährung. Also keine Sorge, wenn Ihrem Sprössling der Brokkoli erst nach dem zehnten Versuch schmeckt. Zur Ernährungsumstellung gehört nämlich nicht nur eine große Portion Gemüse, sondern auch Geduld.

Wir als Eltern ebnen den Weg unserer Kinder und können sie so für gesunde Ernährung und viel Bewegung sensibilisieren. Dazu gehört auch mal Mut, Neues auszuprobieren, wie ein gemeinsamer Kochkurs oder Geocaching. Das stärkt übrigens auch den Familien-Zusammenhalt und bringt tolle Erlebnisse.

Setzen Sie sich und Ihre Kiddies jedoch nicht unter Druck, sondern zeigen Sie lieber Risiken auf.

Oder tun Sie es doch einfach wie Dr. Eckart von Hirschhausen:

„Und so habe ich es mir zur Lebensaufgabe gemacht, mit Humor über das Thema Gesundheit zu reden, und den Zeigefinger nicht zum Drohen, sondern zum Kitzeln zu verwenden. Denn beim Lachen nimmt man ab! Nicht weil man dabei so sagenhaft viele Kalorien verbrauchen würde, sondern weil man beim Lachen nicht essen kann!“

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Eines ist klar, es braucht einen Umdenkprozess - nicht nur in der Gesellschaft, sondern vor allem bei jedem Einzelnen. Kinder werden nicht von allein auf Zucker verzichten, sie brauchen dafür ihre Eltern. Doch eben nicht mit erhobenem Zeigefinger, Verbot und Bevormundung, sondern mit Spaß und guter Laune. Und mit dem Gedanken, dass Sie Ihrem Körper nichts verbieten, sondern ihm etwas Gutes tun, wird es gleich viel leichter.