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Selbsttest: 30 Tage ohne Zucker

Zucker – Freund und Feind zugleich

Christian Baier

Christian Baier

Vom Blog selbst-schuld.com

Meine Waage stand ganz schön unter Druck, als sie mir 109 Kilogramm präsentierte. Geschockt sprang ich auf den Fußboden und wollte die Zahl nicht wahrhaben. Aber auch mein Spiegel zeigte mir anschließend einen Menschen, bei dem neben der Speckrolle auch ein großer Bauch wohnte. Mir war sofort bewusst, wer der Übeltäter war. Es wurde Zeit, Maßnahmen zu ergreifen!

So begab ich mich auf die Reise, den Zuckerberg meines Lebens zu finden und ihn anschließend abzutragen. Zucker ist ein Stoff, an den wir uns gern gewöhnen und bei dem Verzicht schwerfällt. Das Hinterlistige ist, dass dabei der kleinste Teil aus den Zuckerdosen unserer Küchen kommt. Der größere Anteil des süßen Gifts versteckt sich in den verpackten Produkten, die wir aus dem Supermarkt heimbringen. Mit dieser Erkenntnis wurde aus meiner Reise eine ganz persönliche Zuckerfrei-Challenge.

Einfach mal anfangen

Nachdem ich verstanden hatte, dass Zucker mein Leben zukleistert und meine Gesundheit kristallisiert, stand der Entschluss fest. Ich wollte auf so viel davon verzichten wie nur möglich. Mein Hauptfeind war natürlich der raffiniert hinterhältig grinsende Industriezucker. Als ich beim Einkauf jedes Produkt auf seinen Zuckergehalt überprüfte, stellte ich zwei Dinge fest:

Es ist gar nicht so einfach, Produkte zu finden, die auf 100 Gramm weniger als 5 Gramm des Süchtigmachers enthalten.

Ich muss mich beim nächsten Einkauf unauffälliger verhalten, denn in meinem Produkt-Kontroll-Wahn wurde ich ziemlich misstrauisch beobachtet.

Natürlich sollte jeder den Schwierigkeitsgrad der Challenge selbst bestimmen. Je nach Typ kann es ratsam sein, sich in kleineren Schritten vom Zucker zu trennen. Ich wollte aber ganz oder gar nicht.

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Je natürlicher Lebensmittel sind, desto weniger "böser" Zucker ist enthalten. Kartoffeln, Zwiebeln, Möhren und Co. sind nicht nur die Helden in der Gemüseabteilung, sondern auch die besten Helfer beim stark reduzierten Zucker-Konsum. Langsam machte es sogar Spaß, die gesunden Sachen zu finden. Dabei erkannte ich, dass viele der mit "light" oder "fettfrei" beworbenen Produkte am hinterhältigsten sind. Übrigens ist alles, was auf den Zutatenlisten der Produkte auf "-ose" endet, auch Zucker. Eine wichtige Erkenntnis für mich, die den Einkauf nicht einfacher, jedoch gesünder machte.

Der erste Einkauf war geschafft und die Zucker-Challenge konnte starten. Okay fast – denn die letzte halbe Tafel Schokolade grinste mich in der hinteren Ecke meines Kühlschranks an. Ich wollte sie nicht wegwerfen und verputzte sie in Rekordzeit. Danach begann der Zuckerverzicht.

Entzugserscheinungen

Schokolade tabu. Kekse verboten. Kuchen nicht erlaubt. Bereits am ersten Tag erschien mir die Zuckerlosigkeit schwerer als ein Marathon mit Betonschuhen. Natürlich hatte ich meine gesunden Lebensmittel, doch immer diese "Zuckervermeidung" im Hinterkopf lies mich noch mehr an die süßen Sachen denken. Schrecklich. Es war in den ersten Tagen wahrhaft wie ein Entzug.

Mein Körper strafte mich mit einem unbehaglichen Gefühl. Er lechzte nach dem gewohnten süßen Level. Ich bildete mir ein, dass meine Lebensenergie, sollte ich nicht bald richtig Zucker nachschütten, nicht einmal mehr reichen würde, um selbstständig zu laufen.

Besonders schlimm fiel es mir unter Leuten. Jeder von uns kennt die Keks-Teller und Bonbon-Schalen auf der Arbeit. Starke Gegner in einer Verzichtsphase. Und dann noch die lieben Kollegen:

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Was sie nicht wissen, ist: Jeden Tag zwei Kekse unbewusst in sich reinzustopfen, heißt, wenn man es auf zehn Jahre hochrechnet, über eine viertel Million Kalorien mehr gegessen zu haben. Das sind zirka 30 Kilo Fett.

Ständig war ich hin- und hergerissen zwischen "Ich tue mir was Gutes!" und "Ich will jetzt(!) eine Tafel Schokolade mit einem süßen Milchshake und flüssigem Karamell." Mein Widerstand war größer und ich überlebte den ersten Tag. Dann den zweiten, den dritten und dann geschah etwas Unerwartetes.

Überraschende Nebenwirkungen

Am Ende der ersten Woche merkte ich, dass meine Gedanken deutlich weniger um den fehlenden Zucker kreisten. Meine Erkenntnis:

Wenn ich fünf Tage zuckerarm überlebe, dann schaffe ich es auch eine Woche. Wer oder was hält mich dann von der zweiten Woche ab? Niemand – nur ich mich selbst.

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Es fühlte sich richtig gut an, ich war stolz auf mich und es fiel mir nun deutlich leichter. In dieser Zeit kam meine Kraft zurück. Mein Körper begann, sich an die veränderte Situation anzupassen. Ich war wacher, fühlte mich deutlich fitter und bekam sogar Lust, mich mehr zu bewegen.

Mein Auto traute seinen Scheinwerfern kaum, als ich nicht direkt vor der Firma parkte, sondern einige Meter weiter lief als sonst. Freiwillig! Fantastisch fand ich die Erfahrung, dass die Heißhunger-Attacken schwächer wurden. Meine Insulin-Achterbahn fuhr keine Loopings mehr. Frei nach dem Motto

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war mein Heißhunger verdampft. Der nächtliche Gang zum Kühlschrank wich einem gesunden und tiefen Schlaf. Die intensivste Erfahrung war aber, als mein Geschmack zurückkam. Als wären meine Geschmacksknospen von einer Zuckerschicht befreit worden. Normale Tomaten und Paprika schmeckten auf einmal süß. Alles, auch Gewürze, Öle, Fleisch, Fisch schmeckte anders – viel intensiver. An diesem Punkt des Zuckerverzichts realisierte ich, dass mein Körper, welcher einige Tage zuvor eher wie ein schlecht eingestellter Motor lief, Fahrt aufnahm. Weniger Zucker bedeutet also weniger Stottern und dabei auch noch ein niedrigeres Motorschaden-Risiko. :D

Selbstbewusstsein besiegt Raffiniertheit

Nach zirka einem Monat erfolgreicher Zucker-Challenge fühlte ich mich deutlich selbstbewusster und ging leichter durchs Leben – ganze zwei Kilo. Speckverlust ohne sportliches Zutun.

Ich dachte nicht weiter über Zucker nach. Mein neues Low-Sugar-Leben war zu einer Gewohnheit geworden. Einige Mitmenschen verdrehten ihre Augen, wenn ich von meiner Zucker-Freiheit berichtete. Das spornte mich noch mehr an. Heute bin ich innerlich nicht mehr so süß, dafür von außen. Über viele Monate habe ich in Kombination mit Sport und der dauerhaften Zucker-Ernährungsumstellung 19 Kilo abgenommen. Das ist nur eine Zahl.

Entscheidender ist mein deutlich besseres Körper- und Lebensgefühl. Hätte ich damals gewusst, welche krassen Auswirkungen der Verzicht hat, wäre ich deutlich eher in diese Challenge gestartet. Aber lieber spät als nie.

Was hilft beim Zuckerverzicht?

Mir haben damals zwei "Tools" geholfen. Auf meinem Tür-Whiteboard in der Küche zeichnete ich einen Kalender, welchen ich täglich mit Smileys füllte. An einem komplett zuckerfreien Tag lachte er. Hatte ich einen kleinen Ausrutscher, dann schaute er grimmig mit den Mundwinkeln nach unten. Das Tolle dabei war: Je länger die Challenge ging, desto mehr lachende Gesichter sah ich. Motivation pur durch einfache Visualisierung.

Zusätzlich half mir meine Checkliste. Auf ihr notierte ich mir sieben Grundregeln für den Zuckerverzicht. Mehrmals am Tag wurde ich daran erinnert, wie ich erfolgreich auf Zucker verzichte. Im Nachhinein kann ich nur empfehlen, nicht zu viele Regeln aufzustellen. Es war nicht so einfach, sich konsequent daran zu halten. Hier gilt "Weniger ist mehr".

Folgende Checkboxen halfen mir:

  • Ich kaufe nur Produkte mit weniger als 5 Gramm Zucker auf 100 Gramm!
  • Ich achte darauf, dass ich keine süßen Vorräte im Haus habe!
  • Die Obst- und Gemüseabteilung ist mein Freund und ich sorge dafür, dass mindestens die Hälfte meiner Einkäufe von dort kommen!
  • Ich trinke viel (mehr) – natürlich zuckerfrei!
  • Ich verzichte auf Zuckerersatzmittel!
  • Wenn ich backen muss (z. B. Geburtstag), dann verwende ich 30 bis 50 % weniger Zucker als im Rezept angegeben!
  • Ich verzichte komplett auf Fastfood!
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Außerdem erzählte ich vielen Menschen von meiner Zucker-Challenge. Damit habe ich den Druck erhöht, besser durchzuhalten. Einfach die Vorstellung, später erzählen zu müssen, dass ich nicht standhaft war – ein Horrorgedanke. Natürlich kann man alternativ gleich mit Freunden die Challenge angehen.

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Fazit

Es ist anfangs nicht einfach, den Zuckerkonsum zu drosseln bzw. komplett darauf zu verzichten. Doch wie bei allem im Leben gewöhnt sich der Körper sehr schnell daran. Bereits nach wenigen Wochen ist ein Wohlfühl-Level erreicht, bei dem sich jeder fragt:

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Eine gute Frage und der beste Anstoß loszulegen, oder?