Gesunder Schlaf für Kind und Eltern

Schlaflos durch die Nacht

Oh, verdammt. Mein linkes unteres Barthaar hat sich bewegt. Sofort ist er wach, der Kleine. Klasse, jetzt geht das wieder los. Ist ja nicht schon das dritte Mal in dieser Nacht. Ich schau auf die Uhr: Toll, schon eins. Kurz darauf bekommt auch die Mama mit, dass sich Mr. Munter aufgeregt zwischen uns beiden hin und her wälzt. Ich zähle von zehn runter. Bei zwei fängt er an zu schreien. Neuer Rekord!

Fest steht: In den ersten zwei Kinderjahren gehen Eltern etwa 6 Monate Schlaf flöten. Aber weshalb ratzen Babys nicht durch? Wieso fällt das Wiedereinschlafen so schwer? Und: Wie mache ich es meinem Baby recht? Oder muss ich das gar nicht? Dazu ein paar Einblicke, die euch hoffentlich bald wieder ruhig schlafen lassen:

Babys schlummern heimlich

Irgendwie müssen die 16 bis 18 Stunden pro Tag doch zusammenkommen, oder? Kaum zu glauben, aber das ist die durchschnittliche Schlafdauer von Babys in den ersten drei Lebensmonaten. Problem ist nur: Die Träumerei verteilt sich auf sechs Schlafzeiten über den Tag hinweg.

Der unregelmäßige und unruhige Schlaf hängt mit dem Schlaf-wach-Rhythmus zusammen. Den hat ein Kind noch nicht und muss ihn erst entwickeln. Das dauert etwa ein halbes Jahr bis ein Jahr. Bis dahin ist mehrmaliges Wachwerden in der Nacht völlig normal. Dauert das ständige Aufwachen-Einschlafen-Aufwachen länger, ist ärztlicher Rat eine Überlegung wert. Aber macht euch jetzt nicht verrückt. Abwarten! Euer Baby schläft vielleicht bald schon von ganz allein ein und dann wie ein Stein.

Und nächtlich grüßt das Murmeltier

Auch dass ein kleines Kind immer wieder aufwacht, ist gar nicht entscheidend. Das passiert sogar oft. Und in den meisten Fällen bekommen das Eltern gar nicht mit. Erst wenn das Baby nicht mehr von selbst einschläft, wird es zum Wecker. Jetzt hilft Nähe und Geborgenheit. Flüstert eurem Baby etwas zu und streichelt es. Meistens reicht das schon und alle schlafen wieder.

Wie selbstständig Babys nachts sind, erkennt ihr übrigens tagsüber. Kleinkinder, die sich beispielsweise selbst bespaßen können, sind diejenigen ohne Weckfunktion. Ohne dass die Eltern auch nur einen Hauch Ahnung haben, werden sie in der Nacht wach und dösen kurz darauf wieder ein. Natürlich gibt es Ausnahmen.

Falls ihr immer noch Bedenken habt und sagt: Bei uns ist das komplett anders. Dann geht einmal folgende Punkte durch:

Von Einschlafstörungen spricht man, wenn ein Kind nach den ersten sechs Lebensmonaten

  • regelmäßig nur mit aufwändiger Hilfe der Eltern, zum Beispiel durch langes Herumtragen, einschlafen kann und
  • regelmäßig mehr als 30 Minuten dazu braucht.

Von Durchschlafstörungen spricht man, wenn ein Kind in diesem Alter regelmäßig

  • an mindestens vier Nächten in der Woche dreimal oder öfter pro Nacht aufwacht,
  • beim nächtlichen Aufwachen im Durchschnitt länger als 20 Minuten wach ist und
  • zum Wiedereinschlafen die Hilfe der Eltern benötigt.

Familienbett geht gar nicht?

Stooooopp! Prinzipiell gilt: Jedes Kind, jede Mama und jeder Papa ist anders. Genauso unterschiedlich sind Gewohnheiten, Bedürfnisse und Schlafvorlieben. Dennoch hat alles ähnliche Wurzeln. Millionen Jahre alte Urinstinkte sagen unterbewusst: Es ist ok, wenn ihr mit eurem Kind zusammen kuschelt. Babys wissen nämlich noch nicht, dass die eigenen vier Wände vor der unberechenbaren Natur schützen. Das Gefühl von echter Sicherheit entsteht erst, wenn die Eltern in unmittelbarer Nähe sind.

Körperkontakt hat zudem auch positive Auswirkungen auf die Ausschüttung bestimmter Hormone, insbesondere des „Liebeshormons“ Oxytocin: Nähe und Körperkontakt sind daher für den Aufbau einer guten Beziehung jederzeit förderlich – tagsüber wie nachts.

Traumschlaf

In den ersten drei Monaten träumen Neugeborene viel mehr als ältere Kinder bzw. Erwachsene und fallen auch zuerst in den sogenannten „Traumschlaf“. In dieser Phase erwachen sie wesentlich leichter als in der „Tiefschlafphase“. Außerdem ist der Körper in der Traumphase viel aktiver: Atmung und Herzschlag ist unregelmäßig, die Augen hinter den Lidern bewegen sich und Hände und Gesicht zucken. Wird dein Neugeborenes vom Wechsel der Schlafphasen wach, überprüft es instinktiv die Umgebung und checkt, ob alles noch so ist wie vor dem Einschlafen. Nach drei Monaten wechselt dein Baby langsam den Schlafrhythmus und aus vielen Traumschlafphasen werden immer mehr Tiefschlafphasen. Auch für dich.

Schlafwandeln

Übrigens: 30 Prozent aller Kinder schlafwandeln. Meistens zwischen Lebensjahr 6 und 12. Bis zur Pubertät verblasst das Phänomen wieder. Und nur bei den wenigsten tritt es im höheren Alter noch auf. Falls du jetzt eine leere Straße im Laternenlicht vor Augen hast, die ein Kind in einem weißen, wehenden Nachthemd zombieartig entlangschlurft – dann sei beruhigt. Die meisten Schlafwandler setzten sich nur im Bett auf, starren ausdruckslos in die Dunkelheit und stammeln wirre Sätze.

Tiefschlafphase

Warum aber? Das ist simpel: In der Tiefschlafphase laufen auch motorische Prozesse ab. Bei Kinder eben stärker. Solltest du merken, dass dein Kind schlafend im Bett sitzt, redet, oder gar umherläuft, dann sprich dein Kind sachte an und versuche es ins Bett zurückzuführen. Ach ja: Keine Angst vor dem Wecken. Dabei passiert nichts – außer, dass es dann munter ist und ihr beide kerzengerade im Bett hockt.

Das Wichtigste aber kommt jetzt!

Was sagen eigentlich die Kinder zu diesen ganzen Gutenachtgeschichten? Wir haben nachgefragt und aufmunternde Antworten bekommen. Spaß voraus, aber sieh selbst: