Mit „High-Need-Babys“ entspannt umgehen

„High-Need-Baby“ an Bord

Jeder Heavy-Metal-Frontmann wäre neidisch auf dieses Stimmorgan. Aufmerksamkeit? Immer und so viel wie möglich. Ja, dein Neugeborenes hat ein Temperament vom Feinsten. Eine echte Rampensau. Aber ist es deswegen gleich ein „Schrei-“ oder „High-Need-Baby“? Nur weil es mehr und lauter weint? Oder einnehmender ist?

Nicht unbedingt. Entspann dich erst einmal. Dann wird möglichweise auch das Baby ruhiger. Im ersten Schritt kann ein Besuch beim Osteopathen helfen, den die AOK PLUS übrigens bezuschusst. Der Weg ans Licht der Welt durch den engen Geburtskanal wirbelt einiges durcheinander und kann der Auslöser für die Tränen sein. Und selbst wenn nach einigen Monaten klar ist: Mein Kind ist anstrengender als andere, dann ist das okay. Das Baby ist vollkommen gesund. Außerdem: Muss man dem schönsten Geschenk der Welt denn gleich ein Label wie „High-Need-Baby“ verpassen? Nicht wirklich, oder?

Man muss und sollte immer sehr vorsichtig mit solchen Begriffen umgehen, um die Kinder nicht zu stigmatisieren oder andere Möglichkeiten wie körperliche Ursachen auszuschließen. (Frida von www.2kindchoas.de)

Wichtig: „High-Need“ ist keine medizinisch anerkannte Krankheit. Der Begriff bezieht sich auch nur auf Babys, nicht auf Kleinkinder oder Kinder im Vorschulalter. Und „High-Need“ beschreibt mehr das Temperament. Ab einem Alter von 2 bis 3 Jahren rückt die Persönlichkeitsentwicklung in den Vordergrund.

Aber wo liegt der Unterschied zwischen Temperament und Persönlichkeit? Es sind die Wesenszüge. Kinder entdecken in diesem Alter ihre ganz eigene Willenskraft und handeln sogar schon zielgerichtet. Und darin schlummert nun einmal Konfliktpotenzial. Von „High-Need“ ist ab jetzt nicht mehr die Rede.

Ach ja: Der Begriff selbst stammt von dem amerikanischen Kinderarzt Dr. William Sears. An 12 Verhaltensmerkmalen beschreibt er, woran Eltern erkennen, ob das Baby einfach etwas mehr Temperament hat.

Die 12 Kriterien nach Dr. William Sears

Ob Ihr Baby zu „High-Need“ tendiert, erkennen Sie daran, dass es ...

AOK PLUS | Gesunde Taten

Die meisten Eltern erkennen in dem einen oder anderen Merkmal ihr eigenes Kind wieder. Das ist völlig normal, häufig ändert sich die Übereinstimmung von einem Entwicklungsschritt zum nächsten wieder. Und irgendwie ist jedes Baby dann und wann ein bisschen 'high need' – das ist auch gut so! (Benita Wintermantel von www.familie.de)

Trotzdem noch unsicher? Sprich deinen Kinderarzt bei den U-Untersuchungen darauf an. Übrigens: Die AOK PLUS übernimmt die Kosten für U1 bis U9 komplett sowie die FU1 bis FU3 und J1 (Jugendgesundheitsuntersuchung).

„High-Positive“

Ok, du hast die Liste gelesen, Punkte decken sich und jetzt bist du dir sicher: Mein Kleines hat definitiv mehr Bedarf. Doch bevor du jetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlägst: Das ist super! Ein High-Need-Baby wird deinen Alltag bereichern.

High-Need-Kinder verstehen es, ihre Gefühle ungefiltert zu äußern. ... Das heißt man wird sofort darüber in Kenntnis gesetzt, wenn dem Kind etwas nicht gefällt, oder aber besonders gut gefällt. Wenn sie dann noch sprechen können, ist man bestens über ihre Wünsche und Gefühle informiert. Und das kann ein wahres Geschenk sein. (Wiebke Mandel von verflixteralltag.de)

Ein High-Need-Kind ist nämlich der geborene Unterhalter. Die gute Laune steckt regelrecht an und bereitet auf der einen oder anderen Familienfeier große Freude. Emotionen werden bei Babys generell nicht verschluckt, sondern gelebt – besonders bei High-Need-Babys. Du weißt so auch mehr als genau, wie sich das Baby fühlt. Und darauf lässt sich perfekt reagieren. Auch können High-Need-Babys viel kreativer sein, oder sie gehen Dinge komplett anders an:

Vielleicht wollen sie nicht die Spielplatzrutsche auf dem Hosenboden runterrutschen, sondern auf dem Bobby Car. Das bringt überraschte und amüsierte Blicke von Anderen mit sich und zeigt doch eines so deutlich: nicht immer ist das, was wir uns für unsere Kinder vorstellen auch das, was sich unsere Kinder wünschen. (Wiebke Mandel von verflixteralltag.de)

Wie kann ich damit besser umgehen?

High-Need hat einige positive Seiten, keine Frage. Aber was mache ich, wenn es einfach zu viel wird? Wenn der gute Wille nicht mehr motiviert? Kurz: Erst einmal den Podcast mit Jacob Drachenberg anschauen. Er ist Profi für Stressbewältigung und Entspannung, und er hat Tipps genau zu diesem Thema, von denen du bestimmt zehren kannst.

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