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Hilfe Bei Baby-Blues und Wochenbett-depression

Ach du lieber Baby Blues!

Neun Monate hast du dich darauf gefreut, Schmerzen der Geburt voller Erwartung tapfer weggeatmet und nun ist es soweit: Mama und das Neugeborene dürfen endlich nach Hause und die aufregende Wochenbettzeit als frischgebackene Familie steht euch bevor. Das Glück scheint perfekt. Aber statt mit lieblichen Klängen schleicht er sich plötzlich von hinten an und überfällt dich mit voller Wucht: Der Baby Blues.

Worauf ihr euch vor ein paar Tagen noch gefreut habt, wird für die Jung-Mama jetzt einfach zu viel: Dicke Tränen rollen ungewollt und ungebremst über die Wangen, Emotionen steigen auf der Tonleiter auf und ab – von himmelhochjauchzend bis tiefbetrübt. Und auch der Körper hat sich noch nicht erholt: Du fühlst dich schwach und schon die kleinste Anstrengung raubt dir die Puste und beschert dir Schweißausbrüche. Du wolltest die ersten Tage mit deinem Baby als stolze Mama verbringen. Stattdessen findest du dich als heulendes Nervenbündel wieder. Versagensängste und Schuldgefühle inklusive.

Frischgebackene Papas sind mit dieser Situation oft überfordert und verstehen die Welt nicht mehr. Jedes nette Wort, jede liebgemeinte Hilfe verkürzen das Intervall bis zum nächsten Tränenausbruch. Eine schlaflose Nacht reiht sich an die nächste. Dabei fordert der Job gerade jetzt höchste Konzentration und Einsatz. Männerabende lassen lange auf sich warten. Und auch das Liebesleben steht mit dem Baby Blues auf Kriegsfuß. Das zerrt an den Nerven und der Rückzug scheint kurz verlockend. Stopp! Deine Familie braucht jetzt volle Papa-Power!

Hormonelles Auf und Ab

Schuld am Mama-Gefühlschaos ist der plötzliche hormonelle Wechsel nach der Geburt. Östrogene, Endorphine und Progesteron sinken mit dem Abgang der Plazenta schlagartig ab. In keinem anderen Lebenszeitpunkt muss Frau mit solchen Hormonschwankungen auskommen. Die führen zu Erschöpfung und Traurigkeit, du bist empfindsam, reizbar und fühlst dich einfach blue. Du spielst den Baby Blues.

Der Baby Blues hat eine wichtige Funktion, weiß Hebamme Jana Friedrich vom hebammenblog.de.

Jana Friedrich

Jana Friedrich

Vom Blog hebammenblog.de

Welchen Sinn hat der Baby Blues?

Dass Wöchnerinnen so sensibel und „durchlässig“ sind, erhöht wahrscheinlich die Liebesbereitschaft für das Neugeborene. So wie auch die Geruchsempfindlichkeit dazu dient das Baby am Geruch zu erkennen und diesen gleichsam „auswendig“ zu lernen. Durch das Weinen entspannt sich der Körper und kann die angestaute Anspannung abbauen. So finden die Frauen nach einem „Heultag“ oft endlich wieder einmal zu tiefem, erholsamen Schlaf. Das ist natürlich nur möglich, wenn jetzt auch der Partner mitspielt und Kind, Haushalt sowie Besuch in dieser Zeit in Schach hält.

Trifft das alle?

Beinahe 80 Prozent der Wöchnerinnen „leiden“ unter dem Baby Blues, der oft am dritten Wochenbetttag beginnt. Dieser Zustand, der einen Tag bis zu ungefähr eine ganze Woche dauern kann, ist völlig normal und gehört zur Umstellung nach der Geburt. Wenn du betroffen bist, lass dich nicht von deinen wirren Gefühlen verunsichern. Du musst weder jeden Tag überschäumend glücklich sein, noch dein Kind vom ersten Tag an abgöttisch lieben. Du bist trotzdem eine gute, ganz „normale“ Mutter!

DIY Babyglückwochen – Tipps zum Glücklichsein

Familienzeit

Die ersten Wochen nach der Geburt sind die aufregendsten und intensivsten und legen den Grundstein für die Bindung zwischen Mama, Papa und Kind. Versucht, diese Zeit gemeinsam zu verbringen. Man(n) nehme: Zwei Wochen Urlaub nach der Geburt kommen auch für frisch gebackene Papas genau zum richtigen Zeitpunkt.

Papa macht das schon

Babypflege ist auch Männersache. Also ran die Windel! Beim Wickeln, Baden oder Wiegen sind eure Super-Papa-Kräfte gefragt. Traut euch und schenkt euren Frauen viel Zeit zum Ausruhen.

Du bist nicht allein!

Egal, ob einkaufen, Wäsche waschen oder kochen. Normalerweise schaffen Mamas das mit links und auch noch ganz nebenbei. In den ersten Wochen muss das aber nicht sein. Nimm Hilfe an! Familie und Freunde und sogar die nicht immer geliebten Schwiegereltern sind stolz, dich zu unterstützen und an den ersten Wochen teilzuhaben.

Lass dir Zeit!

Es heißt ja nicht ohne Grund „Wochenbett“. Große Herausforderungen stehen dir bevor, die du nicht in wenigen Tagen meistern musst. Nimm dir Zeit, dich in aller Ruhe an die neue Rolle zu gewöhnen und sie lieben zu lernen.

Schmusestunden

Lasst euch betören vom süßen Babyduft, der zarten Haut und den kleinen Händen. Was gibt es Schöneres als kuschelige Mama-Papa-Baby-Momente. Ausgiebige Schmusestunden stärken eure Beziehung als Familie und spenden Kraft. 

Baby Blues oder Wochenbettdepression?

Nicht immer verläuft der Baby Blues harmlos. Nehmen die Symptome extreme Formen an und halten über einen längeren Zeitpunkt an, könnte es sich um eine ernstzunehmende Wochenbettdepression handeln. Dann solltest du psychologische Betreuungsangebote nutzen, die dir zum Beispiel die AOK PLUS vermittelt.

Bei diesen Anzeichen solltest du einen Arzt aufsuchen: